24 Eine Reise durch Maradeom

Ich will mich gar nicht lange damit aufhalten zu schildern, was in Carlean noch geschah. Valorn und die Edélin organisierten alles und schon nach wenigen Tagen brachen wir auf. Bis dahin hatte ich genügend Zeit, das Quartier der Edélin, den Hafen und all die Straßen zu erkunden, die schon lange vor der Gründung Maradeoms existiert hatten.
Wir reisten von Carlean aus nach Süden, wieder vorbei am Schrein der Tadelda und an jenem Wald entlang, in dem sich früher der Tempel von Omoldin befunden hatte, und den man deshalb heute den Wald von Omoldin nannte. Ich hätte den alten Tempel gern gesehen, doch dort befand sich der Drache sicher nicht und nachdem wir vermutlich ohnehin lange brauchen würden, um den Drachen zu finden, wollte ich es Valorn und Alha nicht zumuten, auch noch diesen Abstecher zu machen.
Dann wiederum hätte Valorn vermutlich nichts dagegen gehabt. Wie schon auf dem Weg zum Schrein der Tadelda war er bester Laune und nutzte die Zeit mit Alha, die er gewonnen hatte. Außerhalb des Schreins und Rogulda machte er sich wohl keine Sorgen, dass sie einfach gehen würde.
Bald ließen wir auch diesen Teil Maradeoms hinter uns zurück und reisten viele Meilen über die weite Ebene, die mit Dörfern und Feldern übersät war. Erst nach etlichen Tagen tauchte in der Ferne ein Gebirgszug auf.
Ich war nicht so weit von Rogulda aufgewachsen, daher war mir der entfernte Anblick eines Gebirgszugs durchaus vertraut. Die Hochebene von Lamina sah nicht anders aus, wenn man einmal davon absah, dass man ihr schon von Weitem den Schnee ansah, der sich dort überall ausgebreitet hatte. Das Gebirge, auf das wir diesmal zuhielten, bestand jedoch nur aus grauem Stein, der zwar hoch aufragte, doch irgendwie keinen Schnee angesammelt hatte.
Fragend sah ich zu Valorn.
»Das ist die Grenze zu Gajmhos Visan und Tardem.« Er runzelte die Stirn. »Wenn ich es mir recht überlege … Sollte dieser Drache noch in Maradeom sein, hätte er sich höchstwahrscheinlich dort seinen Unterschlupf gesucht. Das Gebirge ist recht weitläufig und für Menschen schlecht zugänglich. Vermutlich gibt es im Gebirge außerdem etliche Höhlen. Der Drache könnte sich i eine davon zurückgezogen haben.«
Ich nickte. Was Valorn da sagte, machte durchaus Sinn. »Also gehen wir nachsehen?«
Valorn wandte sich zu mir um und hob die Brauen. »Wir wissen nicht einmal, ob der Drache noch in Maradeom ist. Wir könnten das Gebirge völlig umsonst durchsuchen und unsere Chancen, ihn dort zu finden, sind ohnehin nicht gerade hoch. Du machst dir keine Vorstellung davon, wie groß dieses Gebirge ist. Und selbst wenn wir ausschließen, dass er sich an der Oberfläche befindet, — was genauso gut sein könnte — müssten wir immer noch alle Höhlen und Tunnel durchsuchen und die könnten sich durch das gesamte Gebirge ziehen.«
»Aber wenn er in Maradeom ist, ist er hier.«
Valorn zuckte die Schultern. »Schon. Aber es wäre einfacher, nach seiner Heimat zu suchen. Dort befindet sich eine größere Anzahl seiner Art. Selbst wenn sie in einem solchen Gebirge leben würden, hätten wir gute Chancen, auf einen zu stoßen. Hier sieht die Sache anders aus.«
»Weshalb sehen wir uns nicht ein wenig um?«, schlug Alha vor und legte Valorn die Hand auf den Arm. »Niemand sagt, dass wir das ganze Gebirge durchsuchen müssen. Aber wenn der Drache irgendwo ist, wird es eher im südlichen Teil des Gebirges sein, sonst hätte Tavran sicher von einer Sichtung des Drachen auch in Gajmho gehört. Wer weiß? Vielleicht finden wir ja ganz in der Nähe Spuren.«
Valorn nickte. »Wir müssen so oder so bald rasten. Warum nicht beim Gebirge?«
So legten wir den Rest der Strecke bis zum Gebirge zurück und schlugen unser Lager an seinem Fuß auf. Aus der Nähe betrachtet wirkte das Gebirge nur noch größer. Ich sah nicht einmal einen Weg, der hinauf führte.
Alha ließ sich neben Valorn am Feuer nieder, während ich noch die Felswände betrachtete. »Hast du eine Idee, wie wir das angehen wollen?«
»Der Drache ist mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer Höhle, wenn er sich wirklich hier niedergelassen hat. Wenn wir uns auf den Teil konzentrieren, der sich im Süden befindet, sollte es davon nicht allzu viele geben. Ich prüfe das morgen früh. Wo die einzelnen Höhlen sind, sollte sich mit meiner Magie schnell herausfinden lassen.«
Alha nickte. »Das klingt gut. Wenn er nicht hier ist … Dann reisen wir wirklich weiter in den Süden? Bist du sicher, dass wir das überstehen? Tavran kannte sich sicher besser aus als wir.«
»Vielleicht, aber Tavran war auch allein. Solange wir zusammenbleiben passiert schon nichts.« Zögernd griff er ihre Hand und strich ihr mit dem Daumen über die Finger. »Du musst dir keine Sorgen machen.«
Ich legte derweil den Kopf auf die Seite und betrachtete einen der Felsvorsprünge. Hatte ich gerade einen schuppigen roten Kopf gesehen, der über den Rand blickte? Nachdenklich runzelte ich die Stirn, doch sah ich jetzt nichts mehr.
Seufzend schüttelte ich den Kopf und ging zu den anderen beiden. Valorn zog die Hand zurück, als hätte er sich verbrannt, doch ich achtete nicht darauf, sondern blickte nur schweigend in die Flammen. Ich hatte noch nicht einmal einen Drachen gesehen und bildete mir schon einen ein. Was würde wohl noch passieren, wenn wir eine Weile unterwegs waren?

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