18 Amors Gehilfe

»Talliwen?« Valorns Stimme holte mich auf den Boden der Tatsachen zurück und ich folgte ihm aus dem Schrein, wo Alha bereits mit einigen anderen Priesterinnen wartete.
Das Lachen der Frauen drang uns schon von weitem entgegen und langsam verstand ich, weswegen Valorn sich solche Sorgen machte, dass sie ihn verlassen und in den Schrein zurückkehren würde. Sie fühlte sich hier offensichtlich wohl. Dann wiederum hatte Alha nicht den Eindruck gemacht, als fühle sie sich in Rogulda nicht wohl. Es wurde wohl wirklich Zeit, dass die beiden sich aussprachen.
»Ah, Valorn, Talliwen!« Alha winkte uns zu, verabschiedete sich von ihren Schwestern und kam zu uns herüber. »Seid ihr soweit?«
Valorn nickte. »Ja. Die Pferde?«
»Bei Liva.« Alha winkte einer ihrer Schwestern zu, die die drei Tiere zu uns herüberführte.
Valorn nickte ihr zu, doch er wirkte alles andere als glücklich. Man konnte es wohl nicht anders sagen, als dass er einen Haufen Frauen eifersüchtig war.
Die amtierende Hohepriesterin trat aus dem Tempel. Valorns Gesichtsausdruck glättete sich zumindest soweit, dass man ihn professionell distanziert nennen konnte. Er verneigte sich vor ihr. »Habt Dank für Eure Hilfe. Ich werde Thajir berichten, sobald ich wieder in Rogulda bin.«
»Das hat Zeit. Für den Moment wird Talliwen Eure Hilfe gebrauchen.« Sie nickte mir zu, bevor sie sich an Alha wandte. »Ich nehme an, du hast vor, in Rogulda zu bleiben.« Es klang nicht nach einer Frage und Alha nickte auch nur kurz, ohne sich weiter dazu zu äußern. »Gut. Für den Moment solltest du Valorn und Talliwen ebenfalls unterstützen. Deine Magie wird sich sicher noch als nützlich erweisen.«
»Natürlich, das hatte ich vor.«
Die Hohepriesterin nickte und deutete nach Norden. »Dann solltet ihr euch auf den Weg begeben. Es ist zwar nicht weit bis nach Carlean, aber selbst dort dürfte es schwierig werden, etwas über die Drachen herauszufinden.«
»Ich bin sicher, einer meiner Brüder ist in der Lage, uns mit den notwendigen Informationen zu versorgen.« Valorn nahm Liva die Zügel seines Pferds aus der Hand und rang sich zu einem Lächeln durch, bevor er aufsaß. Sein Blick glitt zu mir, doch ich wusste nicht wirklich, ob er von mir erwartete, dass ich mich ebenfalls zum Aufbruch bereit machte oder ob er wollte, dass ich etwas Bedeutsames zur Hohepriesterin sagte.
Ich überlegte einen Moment, ob ich etwas zu sagen hatte, und wandte mich schließlich wieder zu ihr um. »Vielen Dank für Eure Hilfe. Mein Besuch hier hat mir wirklich die Augen geöffnet.«
Sie schenkte mir ein Lächeln, nickte mir ebenfalls zu und wartete, bis Alha und ich uns ebenfalls auf die Pferde geschwungen hatten. Schließlich blieb der Schrein der Tadelda und mit ihm die Heilige Quelle von Serma zurück und wir näherten uns Carlean.
Valorn warf mir einen Blick zu, sobald wir außer Sichtweite des Schreins waren. »Hast du nicht gestern noch keine Ahnung gehabt, was dir die Vision sagen sollte? Wenn ich mich recht entsinne, war ich derjenige, der vorgeschlagen hat, dass es etwas mit Carlean und unseren Archiven zu tun haben könnte.«
Ich nickte. »Schon, aber hast du mich an der Wand gesehen?« Wenn ich daran zurückdachte, überkam mich sofort die Begeisterung. Valorn schien sie allerdings weniger nachvollziehen zu können.
»Inwiefern ist das bedeutsamer als die Vision in der Heiligen Quelle?«
Ich runzelte die Stirn. »Ich sage nicht, dass es bedeutsamer ist als die Vision. Aber wie du sagtest: Im Moment weiß ich nicht, was die Vision mir sagen soll. Das wird sich schon irgendwann klären. Aber dieses Bild an der Wand sagt mir auf jeden Fall, dass die Vision verdammt wichtig sein muss, wenn sie rechtfertigt, mich zusammen mit Kommandant Siëra und König Inaj Avenin abzubilden.«
Valorn runzelte die Stirn. »Ich bin nicht sicher, ob du so an die Sache herangehen solltest …«
Alha neben ihm lachte und griff seinen Arm. »Lass ihn. Es ist Talliwens Schicksal, also muss er auch seinen Weg dahin finden. Wir unterstützen ihn nur.«
»Richtig!« Alhas Worte riefen mir sofort die andere Entscheidung in Erinnerung, die der Besuch beim Tempel mir eingebracht hatte: Ich musste Valorn helfen. »Wir werden vermutlich noch einiges an Zeit miteinander verbringen, wenn wir jetzt erstmal nach Carlean müssen, dort diese Archiven durchsuchen und schließlich noch einen Drachen finden wollen.«
»Das stimmt.« Alha blickte an Valorn vorbei zu mir herüber und lächelte. »Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Valorn ist nicht umsonst ein Edélin. Was auch immer uns auf dieser Reise begegnet, solange es mit Magie zu tun hat, kann er das Problem sicher lösen.«
»Solange es mit Magie zu tun hat …« Ich überlegte, was genau sie damit sagen wollte, musste mir aber eingestehen, dass ich nichts weiter darin entdecken konnte, als ihr Vertrauen in seine magischen Fähigkeiten. »Du scheinst ziemlich große Stücke auf Valorn als Magier zu halten.«
Alha lachte. »Nicht nur als Magier.« Ihre Hand fuhr über seinen Arm, bevor sie sie zurückzog.
»Oh?« Wenn jemand einem eine Brücke baut, ist es nur höflich hinüberzugehen … »Mal angenommen, er würde dich fragen, ob du ihn heiraten willst, würdest du Ja sagen?«

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