Weltenbau

Diese Woche durfte ich beim Booktalk von Tii und Jäis kleine Bücherwelt Lesern Frage und Antwort stehen. Dabei wurde ich unter anderem gefragt, woher ich die Ideen für die Entwicklung meiner Welten, Völker und Sprachen nehme. Da im Booktalk nur eine Stunde Zeit für alle Fragen war, möchte ich heute am Beispiel der Welten Edél und Radren noch etwas ausführlicher auf diese Frage eingehen.

 

Die Grundlagen

Wie ich bereits im Beitrag zum Universum Evedir geschrieben habe, gehören zu einem Weltenzyklus jeweils vier Welten. Diese Welten bedingen sich gegenseitig und zwei von ihnen bilden jeweils Gegensätze. Im 3. Weltenzyklus, der die Welten Gorda (Metall), Rhel (Holz), Edél (Magie) und Radren (Wissen) umfasst, bilden erstere und letztere jeweils einen Gegensatz. Daraus ergibt sich für Edél und Radren, dass sie entgegengesetzte Eigenschaften haben.

 

Länder und Sprachen in Edél und Radren

Von dieser Grundlage ausgehend überlege ich im nächsten Schritt, wie die Welten formal beschaffen sein sollen. Ich lege also gewissermaßen die Rahmenbedingungen fest. Dabei hilft mir auch die Idee hinter der jeweiligen Welt.
Radren ist die Welt des Wissens. Wichtig sind dabei für mich die Wissenschaft, ihre Entwicklung, aber natürlich auch die Entwicklung, die die Gesellschaft dadurch erlebt. Durch meine eigenen Erfahrungen im universitären Bereich denke ich, dass die Wissenschaft vor allem durch regen Austausch vorankommt. Ergebnissen sollten geteilt und möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden. Das setzt voraus, dass jeder die Aufzeichnungen des anderen verstehen kann, was durch eine gemeinsame Sprache oder eine Lingua Franka am leichtesten sichergestellt werden kann.
Um auch dem einfachen Volk Zugang zu den Ergebnissen zu verschaffen, habe ich mich in diesem Fall für eine gemeinsame Sprache entschieden, die weltweit gesprochen wird. Das wiederum spricht für wenige große Länder, in denen sich die Sprache dann nur auf einer dialektalen Ebene unterscheidet.
Edél im Gegensatz dazu fußt auf der Magie und dem Glauben daran. Jedes Volk hat seine eigenen Glaubensvorstellung, auch wenn sich manche Geschichten ähneln. Deshalb habe ich mich dafür entschieden, Edél zu einer Welt mit mehreren Kontinenten zu machen, die wiederum unterschiedliche Reiche beherbergen. So beinhaltet diese Welt viele verschiedene Ansätze, das Leben, seine Geschichten und die darin enthaltene Magie zu begreifen. Auf jedem der Kontinente findet sich eine andere Sprache, da die Völker voneinander getrennt leben und nicht zwangsläufig in regem Kontakt zueinander stehen. Innerhalb der Länder eines Kontinents kann jedoch dieselbe Sprache herrschen oder die Sprachen unterscheiden sich nur teilweise, sodass eine Verständigung noch möglich ist. Dies kommt dadurch zustande, dass Nachbarländer meist eine engere Beziehung zueinander haben als Länder, die weit entfernt sind.

 

Feinere Abstufungen und Besonderheiten

Wenn die Rahmenbedingungen der Welt klar sind, mache ich mich daran, genauere Entscheidungen zu treffen: Wie viele Kontinente soll Edél bekommen? Was repräsentieren sie und wie sind sie aufgebaut? In diesem Schritt entscheide ich auch, welche Länder es genau geben wird. Wie sie heißen, welche Entwicklung sie durchmachen und was sie von anderen Ländern unterscheidet.
An dieser Stelle fertige ich oft auch eine Skizze der Welt an, um zum einen gewisse Ergebnisse der Vorarbeit festzuhalten und zum anderen selbst eine besser Orientierung zu bekommen, indem ich die bisherige Theorie in die Praxis umsetze. Manchmal skizziere ich auch den Aufbau einzelner Städte wie zum Beispiel der Haupstadt »Terlra« aus »Sternenfänger«, die zu diesem Zeitpunkt so etwas wie das Zentrum der wissenschaftlichen Bemühungen war.

 

Wann endet die Planung?

Man könnte jetzt meinen, alle zwölf Welten von Evedir wären schon komplett geplant und ich müsste »nur noch« die entsprechenden Geschichten planen. Tatsächlich ist auch die Planung aber ein Prozess: Bevor ich mit der ersten Geschichte beginne, muss ich zumindest grob die Welt geplant haben. Die Feinplanung und gerade die kleineren Abstimmungen, was die Entwicklung und Besonderheiten einzelner Länder oder Städte angeht, zeigen sich aber erst, wenn ich beginne, die dazugehörigen Geschichten zu schreiben. Auch das ist der Unterschied von Theorie und Praxis: Einiges, was ich zuvor geplant habe, kann sich beim Schreiben noch ändern. Außerdem kommen auch etliche Aspekte dazu, die ich zuvor einfach nicht bedenken konnte.
Nur durch das Zusammenspiel von Planung und Anwendung entstehen letztlich die Welten von Evedir.

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