Wie ich mein Schreiben sehe

Kennt ihr das? Ihr lest ein Buch und plötzlich beginnt euch der Protagonist zu erklären, wer die Person ist, der er begegnet, oder welchen Ort er gerade aufsucht? Ich bin als Leserin immer über solche Szenen gestolpert. Während ich sonst die Geschichte beinahe miterlebe, als wäre ich mit dem Protagonisten verbunden, fängt er hier an, mir Dinge zu erklären, die für ihn doch völlig normal sein sollten. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass ich je eine gute Freundin getroffen und darüber nachgedacht hätte, wer sie ist und woher wir uns kennen, statt sie einfach zu begrüßen und ihr von meinen neusten Erlebnissen zu berichten. 😉
Dieses Erlebnis als Leserin hat dazu beigetragen, dass ich den Schreibstil entwickelt habe, den viele von euch vermutlich schon von mir gewohnt sind: Ein plötzlicher Einstieg und nur wenige Erklärungen.
Was genau dahinter steckt, möchte ich euch in meinem heutigen Blog-Beitrag erzählen.

 

Die Realität in Evedir

Ich möchte, dass die Geschichten, die ich schreibe, so real wie möglich sind und ihr als Leser so dicht wie möglich am Leben der Protagonisten teilhaben könnt, wie möglich. Ich möchte eine Geschichte schreiben, die “echt” ist. Auch wenn ich High Fantasy schreibe: die Orte und Figuren darin existieren in ihrer Welt genauso wie wir in der unseren. Sie haben ein normales Leben, das für ihre Welt passend ist. Wenn sie (wie Aruna aus dem gleichnamigen Roman oder Serma und Ephilia aus »Die Sagen der Avenin«) aus diesem Leben gerissen werden, gehen sie genauso auf Entdeckungsreise, wie wir das tun würden. Diese Reise möchte ich euch miterleben lassen.
Was auf den ersten Blick etwas verwirrend klingt, ist eigentlich ganz einfach. Nehmen wir Aruna als Beispiel: Sie wächst bei ihren Zieheltern in Visan auf, verbringt die meiste Zeit im Dorf oder der näheren Umgebung. Die anderen Königreiche von Gajmho hat sie nie betreten und die Maradeer aus dem Nachbarreich sind ihr etwas unheimlich. Doch dann muss sie dieses gewohnte Leben verlassen. Sie reist über die Grenze und beginnt Dinge zu entdecken, die sie sich früher nie hätte vorstellen können. Sie macht Bekanntschaften, schließt Freundschaften und lernt auch vieles über sich selbst.
Was Aruna noch in Visan erlebt, ist normaler Alltag für sie. Sie denkt genauso wenig darüber nach, wie wir das meist mit den alltäglichen Dingen unseres Lebens tun. Erst, als sie diesen geschützten Raum verlässt und auf Unbekanntes stößt, teilt sie ihre Gedanken mit: Sie stellt Unterschiede zu ihrer eigenen Heimat fest, sucht aber auch nach Gemeinsamkeiten. So kommt sie zum Beispiel in eine Stadt und stellt fest, dass die Bauweise der Häuser ähnlich ist oder dass die Leute dort genauso gekleidet sind wie sie. Als sie im Lhayen Ealennis angelangt, versteht sie die Sprache der Drachen nicht, sie kann nur wiedergeben, wie sie für sie klingt und wie sie die Worte versteht.
Im Grunde erlebt Aruna das, was uns widerfahren würde, wenn wir in einem Land Urlaub machen, über dessen Sprache und Kultur wir nichts oder zumindest nicht viel wissen.

 

Die Rätsel von Evedir

Ich habe in meinem ersten Beitrag geschrieben, dass ihr mit meinen Büchern richtig liegt, wenn ihr gern rätselt. Natürlich geht es dabei auch um die großen Rätsel der einzelnen Welten und der Verbindung, die sie zueinander haben. Es beginnt im kleinen Rahmen aber schon mit jedem Buch und jeder Reihe.
Viele Informationen warten erst spät auf euch. Um bei dem Aruna-Beispiel zu bleiben: Recht früh in der Geschichte lernt ihr Vedeyar kennen und ich denke, so ziemlich jeder hat sich beim Lesen gefragt, weshalb er die ganze Zeit von sich in der Mehrzahl spricht. 😉 Die Antwort kommt, aber nicht sofort. Dieses Muster zieht sich durch dieses und den Großteil meiner anderen Bücher.
Es kann sein, dass ihr für euch völlig andere Erklärungen findet, als die, die ich ursprünglich angedacht habe. Das ist aber in Ordnung und, ehrlich gesagt, wünsche ich mir genau das. Auch im Leben außerhalb von Büchern kann man unterschiedliche Erklärungen für etwas finden. Eventuell ähneln sich die Begründungen oder sind manchmal sogar gleich, aber ab und an sind sie auch völlig verschieden. Das finde ich gut so und deshalb finde ich gut, wenn euch so etwas auch in meinen Büchern passiert. Denn wie gesagt: Ich möchte echte Bücher schreiben, die euch einen Blick hinter die Kulissen und ins Leben der Protagonisten erlauben. Manchmal findet ihr die Antworten, die ich geben würde, dann auch später im Buch oder in der Reihe. Aber bis es soweit ist, möchte ich euch nach euren eigenen Antworten suchen lassen.

 

Das habe ich doch aber anders gelesen …?

Der ein oder andere, der Anfang des Monats bereits mein Märchen »Sternenmädchen« gelesen hat oder schon einmal einen Blick auf die Ausschnitte von »Liebe zwischen Welten« geworfen hat, das nächsten Monat erscheint, wundert sich jetzt vielleicht.
Was ich gesagt habe, ist wahr. Es gibt aber auch einige Projekte, die ein wenig anders aufgebaut sind und diesem Grundsatz der »echten Geschichten« auf den ersten Blick zu widersprechen scheinen: »Sternenmädchen« ist ein gutes Beispiel dafür.
Es ist ein Märchen, das – angelehnt an die Tradition der mündlichen Überlieferung – von jemandem erzählt wird, der es nicht selbst erlebt hat, sondern die Geschichte nur vom Hörensagen kennt. Diese Erzählerin liefert Erklärungen, um ihre Zuhörer durch die Geschichte zu leiten, und sicher schreibt sie den Figuren ab und an auch einmal Gedanken zu, die sie so vielleicht gar nicht hatten. 😉
Was ihr in dieser Geschichte lest, ist nicht einfach das Abenteuer des Helden, sondern die Auffassung, die die Erzählerin davon hat. Ihr erlebt also zum Teil auch ihre Geschichte durch das, was sie erzählt. Im Grunde macht sie damit auch sich selbst zur Heldin ihrer Geschichte.

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